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08
AUG
2017

Dyspraxie – ein häufig unerkanntes Problem bei Kindern

In unserer logopädischen Tätigkeit stoßen wir immer wieder auf Kinder, bei denen die gewöhnlichen Vorgehensweisen zur Behandlung von Artikulationsschwierigkeiten nur sehr eingeschränkt oder teilweise gar nicht wirken. Häufig sind diese Kinder darüber hinaus motorisch auffällig (lassen ständig Dinge fallen, Probleme bei der Kraftdosierung, fallen häufig hin) oder haben auch Schwierigkeiten räumliche Vorgaben einzuschätzen oder zu verarbeiten (Links-Rechts-Problematik, Überforderung bei großen Brettspielen mit vielen Bildern etc.). Irrtümlicherweise wird dann nicht selten durch Fachkräfte wie Ärzte oder Erzieher von anderen Störungsbildern ausgegangen, da Dyspraxie schwer erkennbare Symptome zeigt, die sich zudem noch mit denen vieler anderer Problematiken überschneiden.

Viele Eltern sind infolgedessen ratlos, da Laute, Bewegungsabläufe oder auch das Schreiben trotz häufigen Übens ungleich schwerer als bei anderen Kindern erlernt werden.

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Dyspraxie ist eine Bewegungsplanungs-Störung, die verschiedene motorische Bereiche betreffen kann. Das bedeutet, dass die Vorbereitung für motorische Abläufe wie z.B. das Greifen eines Wasserglases, das Würfeln oder das Artikulieren von Lauten eingeschränkt ist. Typisch ist dann eine Suchbewegung vor dem Ausführen der Handlung. Die Ursachen hierfür sind nicht vollständig aufgeklärt,es wird von genetischen und neurologischen (z.B. Hirnschädigung, Sauerstoffmangel bei Geburt) Komponenten ausgegangen.

Es gibt verschiedene Formen, die einzeln oder kombiniert auftreten können: So können bei manchen Kindern nur grobmotorische Symptome vorkommen (allgemeine Ungeschicklichkeit, häufige blaue Flecken), bei anderen ist nur die Artikulation betroffen (Laute können nur eingeschränkt nachgesprochen werden, werden unsicher oder gar nicht gebildet und werden häufig mit anderen verwechselt) oder es ist das gezielte oder theoretische Handeln eingeschränkt (Kind trinkt problemlos bei Durst aus dem Glas, wird es aufgefordert zu trinken oder so zu tun als ob, kann es dies nicht tun). Wegen der motorischen Komponente, die mit der Dyspraxie einhergeht, wird sie auch als Syndrom des ungeschickten Kindes bezeichnet.

Im weiteren Verlauf kann es bei einer Dyspraxie zu Folgesymptomen kommen, wie z.B. LRS/Legasthenie oder Mathe-Schwierigkeiten. Leider ist es auch recht häufig, dass betroffene Kinder gehänselt werden, da sie durch motorische Ungeschicklichkeit auffallen, häufig stolpern, für vieles länger brauchen oder auch anderen Kindern aufgrund von fehlender motorischer Einschätzung wehtun. Möglich sind deshalb psychische Auffälligkeiten, auch wegen fehlender sprachlicher Kommunikationsmöglichkeiten bei verbaler Dyspraxie (Sprechfähigkeit betroffen).

Wenn man eine Dyspraxie frühzeitig erkennen will, gibt es einige Anzeichen bei Kleinkindern, die hierauf hinweisen können, wie häufiges Verschlucken, Husten oder auch lautes Trinken, bei dem viel Luft geschluckt wird, sowie die allgemeinen Ungeschicklichkeits-Symptome (s.o.). Später Spracherwerb trotz fehlender Indikation (kein offensichtlicher Grund) oder auch die fehlende Fähigkeit Worte konstant richtig nachzusprechen oder Laute innerhalb von Worten wahrzunehmen und auseinanderzuhalten sind typische Symptome. Bei leichter betroffenen Kindern kommt es häufig vor, dass einige grammatikalische Strukturen oder der Satzbau Defizite aufweisen und schwer erlernt werden.

Therapie bei Dyspraxie sollte aufgrund der typischen Hartnäckigkeit mit hoher Frequenz erfolgen. Hierbei ist auch das Elternhaus gefragt, da häusliches Üben und Wiederholen zum „Neu-Einstudieren und Abspeichern“ von Bewegungs- oder Artikulationsabläufen immens wichtig für den Therapie-Erfolg sind. Je nachdem welche Bereiche betroffen sind, sind Logopäden (Sprache und Sprechen) oder Ergotherapeuten (Motorik) die richtigen Ansprechpartner.

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